Einmal angenommen, ich wäre Casting-Direktorin und bekäme den Auftrag „Der Ursprung der Ewigkeit“ zu besetzen. In diesem Fall würde ich mir die Hände reiben und mit einem gedehnten „Aaaalsooo“ starten, dann würde ich die Wunschliste präsentieren und meine imaginären Auftraggeber würden sich stirnrunzelnd ansehen, denn die würde vermutlich ordentlich das Budget belasten. Und dann gäbe es da noch ein weiteres Problem …

Zurück zur Realität. Und in dieser bin ich die Autorin des genannten Buches, das so gesehen keine Darsteller benötigt; denn alles was sich vor den Augen der Leserschaft abspielt, entsteht in deren Vorstellung. Das ist natürlich erstmal sehr kostengünstig, wenngleich es sicher einen höheren Verschleiß an „Darstellern“ hervorbringt, denn: jeder stellt sich die Figuren beim Lesen nach seinen Ideen vor. Das ist überhaupt das Schöne am Lesen: Jeder kann sich die Welt so machen, wie sie ihm gefällt (ha!). Nichtsdestotrotz gehen natürlich auch die Autoren/innen mit einer gewissen Vorstellung an die Schaffung ihrer Figuren heran. Begegnungen spielen da sicher eine große Rolle, das visuelle Gedächtnis im Allgemeinen sowieso. Doch hin und wieder – so behaupte ich – machen wir uns Autoren es uns auch gern einfach und schauen einfach mal, was so auf dem VIP-Markt zur Verfügung steht. Schauspieler sind per se prädestiniert dafür, um Romanfiguren zu werden. Mal ist es eine Performance, die in besonderer Erinnerung geblieben ist und die Züge der eigenen Figur gut erahnen lässt. Oder es ist ein spezieller Look, der wie gemacht ist, um einen Platz im eigenen Werk zu bekommen. Viel geht über Ausstrahlung und welche Atmosphäre diese Vorbilder hervorrufen können.

Bevormundung oder Inspirationshilfe?

Tja, da scheiden sich die Geister. Wer als großer Fan eines bestimmten Buches dessen Verfilmung verfolgt und somit die direkten Figurendarsteller vorgesetzt bekommt, kennt das vielleicht: da wartet entweder die große Enttäuschung oder ein zufriedenes Seufzen. Wie oft hört man aber: „Den/die hab ich mir ganz anders vorgestellt.“ Das ist dann natürlich dumm gelaufen, doch ich finde, in den meisten Fällen haben die Casting-Entscheider einen recht guten Riecher. Mir fällt zumindest gerade kein Beispiel ein, bei dem ich sagen würde: Huch, das passt ja mal so gar nicht. (aber ich überlege mal noch weiter). Ich bin also der Typ, der sich durchaus gern inspirieren lässt. Und wenn mich ein Autor/eine Autorin fragen würde, ob ich die Inspiration hinter ihren Figuren wissen wollte (vorausgesetzt ich habe das Buch gelesen), dann würde bei mir immer die Neugier siegen.

Kompromiss Stockphotos

Zumindest aber möchte man seiner Leserschaft einen visuellen Anker an die Hand geben. Ob er ihn benutzt, bleibt ihm ja überlassen. Man könnte aber auch nur mit Ahnungen und Andeutungen arbeiten: Versteckte Posen, angeschnittene Bilder, diffuses Licht zaubern schnell die gewünschte Situation, die den Lesenden in seiner Vorstellung unterstützen können. Stockphotos sind dabei das Mittel der Wahl. Sie haben den großen Vorteil, dass sie – auf kostenfreien Portalen – lizenzfrei genutzt werden können. Der Nachteil besteht darin, dass sie meist eher ungenau sind und die gewünschte Atmosphäre oder Darstellung einer Figur nur mittelbar wiedergeben. Zumindest geht es mir so, denn ich suche offenbar sehr oft nach der Nadel im Heuhaufen und muss viele Ideen wieder verwerfen, weil es einfach nicht das passende Bildmaterial gibt. Und was ist mit all den anderen schönen Bildern, die das Internet hergibt?  – Davon rate ich aus urheberrechtlichen Gründen ab. Es gibt noch eine andere Möglichkeit und die ist – gerade unter Autoren – berühmt berüchtigt, weil sie einen Haufen kostbarer Schreibzeit frisst: Pinterest.

Pinnen statt ersinnen

(Ich entschuldige mich für diese wenig inspirierende Reimüberschrift. Aber nur ein bisschen.) Bereits vorhandene Pins in eine eigenen Pinwand eingliedern oder selber neue Pins erstellen: das macht Pinterest aus. Ein Dienst, der dazu da ist uns Autoren in das weite Land der Prokrastination zu entführen. Und für alle anderen: hier können Inspirationen zu diversen Themen gesammelt werden, sei es zum Gartenbau oder zur Bastelidee für den nächsten Kindergeburtstag. Es gibt für fast alles Gründe, um auf ewig auf Pinerest zu versumpfen.

Ich benutze die App während des Schreibens, um hier all das visuell abzulegen, was meiner Auffassung nach gut in die Geschichte hineinpasst. Bilder von bestimmten Orten oder Landschaften, Mode-Ideen, Zeitgeschichtliches und ja, auch für meine Figuren. Denn zumindest die Wichtigsten versuche ich so konkret wie möglich zu „modellieren“, einfach weil sie so greifbarer für mich werden, ich mir sie in bestimmten Situationen besser vorstellen kann und es das Schreiben generell etwas bunter macht. Das gilt für mein aktuelles Schreibprojekt und auch für „Der Ursprung der Ewigkeit“. Und jetzt bin ich bereit, meine geheime Pinnwand zu teilen 😉

Treffen sich ein Schotte, ein Australier, zwei Amerikaner und eine Schwedin …

Die fünf maßgeblichen Figuren im ersten Band sind Alice, John, William, Max und Stan. Für diese Figuren habe ich mehr oder weniger konkrete Vorstellungen. Nicht im Detail und mit einer gewissen Unschärfe aber eben genau genug, um damit „arbeiten“ zu können. Wen ich nun neugierig gemacht habe, der darf – sofern er denn ein Pinterestkonto besitzt (ich glaube anders geht es nicht) diesen Links mit den besten Empfehlungen von mir folgen:

Alice

John

William

Max

Stan

(Neugierig und kein P-Konto? – Schreibt mich gern an)

Wieso gerade diese? Ganz ehrlich: Ich habe nicht die geringste Ahnung, spontane Eingebung vermutlich 🙂 Die Liste kam zustande, ohne Rücksicht auf das Alter oder den Status der Lebendigkeit der Personen. Hochkarätig und unmöglich zugleich 😀 Und doch: meine Idealbesetzung <3

Habt ihr alle erkannt? 🙂 Damit einverstanden oder gibt es Einwände? Wart ihr mal total enttäuscht von einer Verfilmung, in der Schauspieler engagiert wurden, die gar nicht in eure Vorstellung passten? Vielleicht passte eure Vorstellung auch mal ganz genau zu einer Besetzung? Lasst gern einen Kommentar da.

Figureninspirierende Grüße

Dee

 

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