Böse hoch 3

Ich weiß nicht wie es euch Autorenkollegen damit geht, aber eine meiner größten Freuden beim Schreiben ist es, sich mit dem Bösen zu beschäftigen. Welche treibende Kraft zwingt den Helden zum Handeln? Welcher Konflikt verbirgt sich hinter der Motivation des/der Feinde/s? Was ist sein/ihr persönlicher Ground Zero?

Welche Arten von Antagonisten gibt es?

Kurz überschlagen fallen mir folgende ein (Mischformen möglich, m/w/d):

  • der Psychopath
  • der Konkurrent
  • der Zurückgewiesene
  • der Scheinheilige
  • der Desillusionierte
  • der Übernatürliche
  • der KI-Gegner
  • der Bestechliche
  • der Machthungrige

Fallen euch noch weitere Kategorien ein?

Genau wie dem Protagonisten, fehlt dem Antagonisten zu Beginn der Geschichte etwas Essenzielles, er ist unvollkommen. Vielleicht ist der Protagonist ihm beim Erreichen seines Zieles im Weg, oder es ist der Protagonist selbst, der ihm fehlt (Rache, Bestrafung, vermeintliche Gerechtigkeit, etc.) oder aber es ist der pure Zufall, der beide Kräfte zusammen- und gegeneinander aufbringt. Auf jeden Fall läuft es darauf hinaus, dass sich die Wege der beiden Seiten im Verlauf der Geschichte kreuzen werden. So unterschiedlich Geschichten auch sind, diese eine Wahrheit ist universell – wer A sagt, muss auch B wie Begegnen sagen.

Gut vs. Böse und ganz viele Grauzonen

An neueren Interpretationen des klassischen Gut-gegen-Böse-Modells mag ich, dass Held und Feind gar nicht mehr sooo klassisch sind. Antihero-Geschichten sind sehr beliebt und mit zunehmender Einsicht, dass wir selbst alle gar nicht mal so perfekt sind, steigt auch unser Bedarf an Helden, die ebenso wenig mit weißer Weste herumlaufen. Immerhin wollen wir doch mit dem Guten sympathisieren und uns selbst darin wiederentdecken. Dafür braucht es Helden, die ein bisschen so sind wie wir. Aber natürlich sind sie eben auch ein bisschen besser. Sie erleben aber auch außergewöhnliche Abenteuer – deshalb gibt es ihre Geschichte ja überhaupt. Und der Antagonist? Der sitzt im Sessel, streichelt die im Schoß sitzende Katze und wartet geduldig im Schurkengeheimversteck auf die Ankunft seines Gegners? Was, wenn nicht? Wenn er sogar ein paar gute Argumente für sein Tun hat? Wenn wir seinen Werdegang nicht nur nachvollziehen können, sondern vielleicht gar nicht anders als er entschieden hätten?

Zwar ist es mittlerweile bewiesen, dass es wohl auch Anlagen für psychopatisches Verhalten gibt, es aber letztlich eine Frage des Umfeldes und der Umstände ist, ob diese Ader auch in ihrer schädlichen Form später zum Vorschein kommt. Außerdem ist nicht jeder Roman-Antagonist gleich ein Psychopath. So wie nicht jeder Verbrecher ein Psychopath ist. Dennoch sind wir interessiert an dem Warum, an der Geschichte des Bösewichtes. Wir wollen wissen: Wie viel von ihm steckt womöglich auch in uns?

Gibt es Geschichten, in denen der Protagonist zum Antagonist wird? Mir fällt nur Darth Vader/Anakin Skywalker auf Anhieb ein. Zählt Fight Club? Breaking Bad klopft gerade noch an. Weitere Beispiele?

Most wanted: Mein neuer Antagonist

Derzeit arbeite ich eine neue Romanidee aus, Arbeitstitel: „Irgendwas mit Münzen“ und wie eingangs erwähnt, habe ich meinen Spaß daran, die antagonistische Kraft dafür zu entwickeln. Doch anders als bei „Der Ursprung der Ewigkeit“ ist diese Kraft noch sehr diffus, gesichtslos sozusagen. Ich weiß, was sie will und welche Attitude er/sie/es haben soll, aber das Ganze ist noch nicht in eine Figur gepresst. Dafür habe ich ein sehr klares Bild meiner neuen Protagonistin – die Stelle ist quasi besetzt. Mir kam die Idee, die noch vakante Stelle für den Antagonisten auszuschreiben:

Stellenbeschreibung „Antagonist“

Hab ich was wichtiges vergessen?

Es wurden keine Affilatelinks verwendet.

Bilder: Pixabay / Spinnennetz: congerdesign / Flamme: PublicDomainPictures / Death: PublicDomainPictures