Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, mit Mood Boards zu arbeiten. Was vorrangig in designlastigen Berufen verwendet wurde, findet für die breite Masse immer mehr Anklang. Pinterest ist so ein Beispiel: Ziel der Plattform ist es, dem Nutzer die Möglichkeit zu geben, sich zu verschiedenen Themen inspirieren zu lassen und die grafischen Eindrücke für sich zu sammeln, um daraus für eigene Ideen neuen Input zu erhalten.

Gut für Autoren

Für Autoren und Autorinnen sind Moodboards hervorragende Inspirationsbringer für die Schreibarbeit. Alles, was nur im Kopf stattfindet, kann – mit den richtigen Suchbegriffen und Internet sei Dank – in Bildgebung umgewandelt werden, so dass sich vormals eher schwammige Eingebungen konkretisieren und das Schreiben voranbringen. Das Aussehen von Figuren, Charaktereigenschaften, Lebenssituationen, Wünsche der Figuren, Kleidungsstil, die Wirkung einer Figur auf andere – vieles davon kann visuell eingefangen werden, was aus meiner Sicht sehr wertvoll ist, gerade wenn man selbst das Gefühl hat, das eine Figur noch nicht richtig gelungen ist, sie noch zu undefiniert und farblos ist.

Ich habe festgestellt, dass mir das Anlegen von Moodboards (ich verwende sie hauptsächlich figurenbezogen) gerade auch in Phasen hilft, wenn das Schreiben mal nicht so fluscht und eine Schreibblockade wie ein Damoklesschwert über mir schwebt. Indem ich mich mit meinen Figuren beschäftige (damit, was sie gerade beschäftigt) finde ich wieder einen Zugang zu ihnen, ich kann mich wieder besser in sie hineindenken und damit aus der Blockade herausdenken. Natürlich kann man sich ganz wunderbar damit verzetteln und stundenlang auf sämtlichen Portalen verbringen (Für euch getestet!), deshalb sollte man sich nicht zu sehr davon vereinnahmen lassen und – wie man so schön sagt – „in Schönheit sterben“. Denn wenn das Schreiben letztlich nicht davon profitiert, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Aber gerade wenn es gar nicht so recht laufen will mit dem Schreiben kann ich das Anlegen von Mood Boards nur wärmstens empfehlen.

Gut für die Lesenden

Die Leserschaft kann von Mood Boards ebenso profitieren. Viele Autoren machen ihre Mood Boards ihren Lesern zugängig und ermöglichen damit, sich ein besseres Bild von der Handlung, den Figuren oder den beschriebenen Orten zu machen. Gerade im Genre „Fantasy“ ist visuelle Unterstützung kein schlechter Gedanke. Sie haben damit die Möglichkeit die Atmosphäre des Romanes noch etwas direkter zu erleben, das Geschehen in den Zeilen des Buches wird greifbarer und steigert die Spannung und das Lesevergnügen. Vorausgesetzt man möchte diese Art von Beeinflussung denn. Nicht jeder mag diese sehr direkte Form und bevorzugt es, sich seine Lesewelt ganz allein zu erschaffen, ohne dass er mit den Ideen und Vorstellungen des Autors konfrontiert wird. Auch das ist nachvollziehbar und jeder sollte und darf selbst entscheiden, ob er diese visuelle Unterstützung beim Lesen in Anspruch nimmt oder sich seiner eigenen Fantasie überlässt.

Mein Beitragsbild lässt es bereits vermuten: Ich arbeite nicht nur mit Mood Boards, ich plane auch, sie mit der Leserschaft zu teilen. Dabei beschränke ich mich auf die wichtigsten Figuren und einer kleinen Auswahl an bildlicher Darstellung ihres Charakters, ihrer Lebenssiutation, ihrer Kleidungsart und die Gefühlswelt, in der sie sich befinden. Wie bei so vielen Angelegenheiten beim Schreiben, treffe ich solche Entscheidungen immer aus der Sicht meines eigenen Leserinnenverhaltens heraus. Ich bin eine sehr visuelle Leserin, ich mag es, ein klares Bild davon zu haben, was ich gerade lese. Und in den meisten Fällen überschneidet sich meine Vorstellung mit der des Autors/ der Autorin (sofern diese denn kommuniziert wird). Es ist also eher eine Frage, ob man sich auf die Vorstellungen des Autors/Autorin einlassen kann oder möchte.

Bei der Auswahl der Motive meiner Mood Boards stand ich in enger Absprache mit meinen Testlesern. Sie kennen die Geschichte, sie kennen die Figuren, wir haben uns rege darüber ausgetauscht – wer also könnte besser beurteilen, ob die Stimmung auf den ausgesuchten Bildern richtig erfasst wurde? Des Weiteren muss natürlich darauf geachtet werden, dass die Lizensfreigabe für die verwendeten Fotos vorliegen. Natürlich kann man nicht nach Herzenslust einfach ungefragt fremde Bilder posten. Das Einholen oder auch Bezahlen der Nutzungserteilung gehört ebenso zur Erstellung von veröffentlichungsreifen Mood Boards wie das Erstellen selbst. Portale dafür gibt es ja hinreichend – aber sich mit den Nutzungsbedingungen bekannt machen ist ein absolutes Muss.

Fazit: Mir bereitet es eine große Freude, Mood Boards anzulegen. Ich könnte Stunden damit verbringen, nach dem richtigen Fotomoment zu suchen, der die prägnanten Stellen des Romanes wiedergibt. Ich freue mich jedes Mal, wenn es mir nach teils mühsamer Suche gelingt, das richtige Bild zu finden bei dem ich sage: „Ja! Genau das ist er/sie!“ Und ich wünsche mir, dass auch meine künftigen LeserInnen davon profitieren können.

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